Tips & Trix rund ums Rad
Faltbarer
Doppelmaulschlüssel für die Werkzeugtasche
08.02.2011
Aus Gewichtsgründen hatte ich
mein weit mehr als ein halbes Pfund wiegendes Multifunktionswerkzeug
Topeak
Alien 3
ausgemustert. Die beiden im Tool enthaltenen Maulschlüssel 8
und
10 mm baute ich aus, um daraus gemeinsam mit einer Schraube, einer
Mutter, einer Unterlegscheibe und einem umgebogenen Sicherungsring
einen faltbaren Doppelmaulschlüssel zu basteln:

Im
entfalteten Zustand greift die Nase des umgebogenen Sicherungsring in
die beiden Nuten der Schlüsselenden, so dass diese
gegeneinander
fixiert sind und einen verlängerten Hebel bilden:

Für
kritische Geister: Nein, man benötigt keinen
Maulschlüssel, um den Doppelmaulschlüssel zu
montieren, denn
es genügt, zum Arretieren die Mutter leicht mit der Hand
festzudrehen.
Der Doppelmaulschlüssel hat im
Betriebszustand mit 13 cm
Länge fast die gleichen Abmessungen wie ein
handelsüblicher Maulschlüssel, ist aber gefaltet
natürlich wesentlich kompakter. Dadurch lässt er sich
optimal
in einer kleinen Werkzeugtasche verstauen. Schraube, Mutter und
Unterlegscheibe der Konstruktion können im Notfall auch als
Ersatzteile am Bike eingesetzt werden.
Die beiden jeweils 7 cm langen Einzelschlüssel lassen sich
natürlich auch einzeln verwenden, idealerweise an
schwer zugänglichen und engen Stellen. Die
übertragbaren
Hebelkräfte der kurzen Einzelschlüssel sind
natürlich geringer als bei einem handelsüblichen
Werkstattschlüssel, und auch der zusammengebaute
Doppelschlüssel ist konstruktionsbedingt nicht so stark
belastbar.
Für die in Frage kommenden Schraubenverbindungen (M5
und M6
mit Muttern 8 und 10 mm) und den dafür üblichen
Anzugsdrehmomenten sind aber keine Probleme zu erwarten.
Scheibenbremse
Shimano Deore XT BR-M776: Kolben gängig machen
06.11.2010
An der Hinterradbremse trat in letzter Zeit trotz exakter Justierung
der Bremszange immer wieder ein leichtes Schleifgeräusch nach dem Bremsen
auf,
das nach kurzer Zeit wieder verschwand. Ein Indiz dafür, dass
die
Bremskolbenrückstellung nicht richtig funktioniert.
Versuchen wir also, die Bremskolben zu mobilisieren, sprich:
gängig zu machen. Dazu müssen wir zunächst rausfinden,
welcher von beiden klemmt. Also Laufrad entfernen, dünnen
Blech-Schraubenschlüssel (mit ca. 1,8 mm etwa so dick wie die
Bremsscheibe) zwischen die Bremsbeläge halten, jeweils einen
Bremsbelag mit dem Schraubenschlüssel
andrücken
und Bremshebel leicht ziehen: Bewegt sich der jeweils freie Bremskolben
ein Stückchen heraus? Nein, einer der beiden
Bremskolben scheint fest zu sitzen.
Also Bremsbeläge runter, den freigängigen Bremskolben
mit
einem stabilen Schraubenschlüssel festhalten und den
Bremshebel
erst vorsichtig, später auch fester ziehen: Der
freigängige
Bremskolben bewegt sich trotz Festhaltens durch den Schraubenschlüssel, da die Anpresskraft per Hand
zu gering ist, während der andere Bremskolben keinen
Millimeter
herauskommt.
Bleibt als Möglichkeit nur, den freigängigen
Bremskolben
unverrückbar zu fixieren und nochmals zu versuchen, den
anderen
ein Stück herauszudrücken. Dazu wird aus kleinen
Flacheisen
aus dem Baumarkt und zwei Schrauben eine stabile Klemme gebaut. Zum
Schutz gegen Verkratzen wird auf ihre Innenseiten jeweils ein
Stück Isolierband geklebt. Dann wird das Ganze auf der Seite
der
Bremszange mit dem freigängigen Kolben montiert:
Jetzt vorsichtig
mehrmals am Bremshebel ziehen und dabei mit dem Schraubenschlüssel
leicht gegen
den freiliegenden Bremskolben drücken, damit der nicht etwa
plötzlich komplett herausbefördert wird. Und
tatsächlich
kommt der unwillige Gesell jetzt ein Stück heraus. Nun kriegt
er
erst mal einen Tropfen Bremsflüssigkeit auf den Rand verpasst,
damit er in Zukunft besser flutscht:
Anschließend wird der
Kolben mit dem
Schraubenschlüssel
vorsichtig wieder hereingedrückt. Dabei aufpassen, dass das
spröde Material des Kolbens nicht beschädigt wird.
Dazu habe ich ein Tuch um den Schlüssel gewickelt, das ich aus
Übersichtlichkeitsgründen bei der Abbildung
weggelassen habe. Ein Plastik-Reifenheber wäre als Werkzeug auch gut geeignet:
Rein- und Rausdrücken mehrfach
wiederholen und Bremse und Rad
wieder zusammenbauen. Bei der Probefahrt nach dieser Maßnahme
war
das Schleifen zumindest nicht mehr vorhanden. Nun müssen wir
sehen, ob die Aktion dauerhaft erfolgreich war.
Nachtrag: Mehrere
hundert gefahrene Kilometer später gibt es folgende
Erkenntnisse:
- Das Mobilisieren des
Bremskolbens hat gewirkt.
- Möglicherweise
führten Bremsölrückstände durch das
Beträufeln des Bremskolbenrandes beim Mobilisieren zu einer
späteren Verunreinigung der Bremsklötze, so dass
diese ausgetauscht werden mussten. Es ist also darauf zu
achten, die gesamte Bremszange vor dem Wiedereinsetzen der
Bremsklötze penibelst von
Ölrückständen zu reinigen. Ein
trockenes Tuch sollte dazu ausreichen.
- Auch
der zweite Bremskolben ging irgendwann schwergängig und wurde
auf dieselbe Weise erfolgreich behandelt.
Nachtrag 2:
Mehrere tausend gefahrene Kilometer später gibt es die
ernüchternde Erkenntnis, dass alle von mir verwendeten
Shimano-Bremsen (Deore XT BR-M775 Bj. 2008, Deore XT BR-M776 Bj.
2008, Saint BR-M810 Bj. 2009) an derselben konstruktiven
Schwäche leiden, nämlich schwergängigen Kolben:
- Die
Kolben fahren (zum Teil bereits im Neuzustand der Bremse)
ungleichmäßig aus, was zu einer unterschiedlichen Abnutzung
der Bremsbeläge führt.
- Immer wieder passiert es, dass ein Kolben hängt, wie oben beschrieben.
- Die
automatische Belagnachstellung funktioniert nicht sauber, da die Kolben
bei zunehmender Abnutzung der Bremsbeläge nicht sauber
nachgeführt werden und es zu einem immer größer
werdenden Leerweg des Bremshebels kommt.
- Maßnahmen zur Mobilisierung der Kolben helfen für einige hundert Kilometer, nicht auf Dauer.
- Da
dieses Problem bei den Shimano-Bremsen nicht in den Griff zu kriegen
ist, ich die Bremsen dennoch (zunächst) weiterverwenden will,
setze ich lieber die XT als die Saint ein, da bei der XT im Gegensatz
zur Saint die Bremsbeläge ohne Ausbau des Laufrads einfach nach
oben herausgenommen werden können, um einen
schwergängigen Kolben durch Pumpen ein Stückchen rauszudrücken,
während der freigängige Kolben mit einem Reifenheber
o. ä. festgehalten wird.
Klemmhalterung
zum Einschlagen der Stützhüse
16.08.2010
Die Bremsleitung meiner Shimano-Scheibenbremse sollte gekürzt
werden. Nach dem Kürzen sind grundsätzlich immer eine
neue
Stützhüse und Olive
am Leitungsende zum Bremsgriff hin zu montieren, damit die
Quetschverbindung nicht undicht wird.
Das Kürzen der Bremsleitung erfolgt z. B. mit einem
Teppichmesser,
wobei der Schnitt möglichst gerade sein muss. Das Einschlagen
der
Stützhülse erfolgt dann mit einem Gummihammer. Es
kann
schwierig oder gar unmöglich sein, die Bremsleitung
dabei mit
der Hand festzuhalten, ohne dass sie durchrutscht.
Beide Probleme habe ich mit einem selbstgebauten Hightech-Tool
gelöst, das als Abschneide-und-Klemmvorrichtung eingesetzt
wird
und die Anforderungen "Mobiler Einsatz", "Senkrechter Schnitt" und
"Fixieren der
Bremsleitung beim Einschlagen der Stützhülse"
gewährleistet:
Ich sehe noch Verbesserungspotenzial,
was Baugröße und Gewicht der Konstruktion
anbelangt. Nein, im Ernst: Das Ganze ist lediglich eine
Quick&Dirty-Lösung. So wird die Bremsleitung mit dem
Originalwerkzeug TL-HB61 von Shimano geklemmt:
Quelle:
http://pub.ne.jp/ferraio/?daily_id=20110111
Für
eine mobile Anwendung kann das TL-HB61 auch mit einer Rohrzange o.
ä. festgehalten werden.
Die Kettenformel
25.09.2010
Nach nur knapp 2.300 km hat die bei meinem neuen Rad
serienmäßig montierte Kette Shimano XT CN-HG93 das
Verschleißmaß von 0,075 mm erreicht. Wieder einmal
hat sich
gezeigt, dass die angeblich hochwertigen Shimano-Ketten eine
enttäuschende Laufleistung bieten. Und wieder einnmal habe ich
als
neue Kette eine einfache CN-HG53 eingebaut, die beim letzten
Mal
eine Laufleistung von über 4.500 km erreicht hat. Die
Kettenformel
lautet also: Halber Preis = Doppelte Laufleistung. Damit kann ich
leben, auch wenn ich es nicht verstehe.
Der
richtige Kettenschmierstoff
01.06.2010
Damit meine Fahrradkette nicht zu einem schwarzen, klebrigen,
öl-
und schmutzverschmierten Gliederstrang mutiert, hatte ich in letzter
Zeit außschließlich das Teflon-Trockenschmiermittel
von Finish Line
aufgetragen. Das musste ich zwar häufiger
nachträufeln, die
Kette blieb aber tatsächlich recht sauber und ließ
sich mit
einem Lappen einfach von Schmutz, überwiegend nur Staub,
befreien.
Nach einer längeren Regenfahrt lernte ich aber die
Schattenseite
von Trockenschmiermitteln kennen: Die Kette begann zu "klingeln", da
der Schmierstoff fast vollständig ausgewaschen worden war.
Daher beschloss ich, wieder auf Kettenöl umzusteigen
und die
eingangs erwähnten Nachteile in Kauf zu nehmen. Meine Wahl
fiel
auf das Oil Of Rohloff,
das im Vergleichtest "Kettenschmiermittel" in der TOUR 12/2009
als zweitbestes Kettenöl auf Platz 5 abgeschnitten hatte. Die
ersten drei Plätze waren von Trockenschmierstoffen belegt, die
erwartungsgemäß in den Kategorien "Schmutzhaftung"
und
"Kriechfähigkeit" besser als das Öl bewertet wurden.
Auf
Platz 4 landete das Kettenspray Motorex
Wet Lube,
das von den Ergebnissen her ebenfalls für mich in Frage kam
und
insbesondere bei der Kriechfähigkeit dem Rohloff-Öl
überlegen ist. Da ich jedoch nicht meine Bremsscheiben,
sondern
die Kette ölen möchte bzw. ich nicht die
Hälfte des Zeux
in einen Lappen jagen will, zog ich den den edlen Tropfen von Rohloff
dem Spray vor.
Später fand ich heraus,
dass das Motorex Wet
Lube auch
in der Flasche angeboten wird. Sobald ich das 1L-Gebinde mit dem
Rohloff-Öl geleert habe, was nur wenige Jahre dauern
dürfte,
werde ich dem Wet Lube
auch mal eine Chance geben.
Warum sich ein Tretlager
löst oder festzieht
22.01.2009
Je nach Zustand der Lager herrschen unterschiedliche
Kräfteverhältnisse, wodurch sich eine nicht fest
eingedrehte
Lagerschale entweder weiter lösen oder wieder festziehen kann.
Die Erklärung dazu ist im
Wikipedia-Artikel über
Tretlager
beschrieben:
"Beim Konuslager wird eine der beiden Lagerschalen -
gewöhnlich
die linke - zur Einstellung des Lagerspiels eingesetzt und durch einen
Konterring gesichert. Durch die beim Treten wirkende umlaufende Kraft,
die auf die Lagerschalen wirkt, entsteht in Verbindung mit dem
vorhandenen radialen Spiel im Tretlagergewinde ein Drehmoment, dessen
Richtung entgegengesetzt zur Drehrichtung der Tretkurbeln ist. Da die
linke Lagerschale Rechtsgewinde hat, würde sie sich
ständig
fester drehen. Dies wird durch den Konterring, der auf das Gewinde der
Schale aufgeschraubt und gegen das Tretlagergehäuse
festgezogen
wird, verhindert.
Die andere, nicht einstellbare Lagerschale - gewöhnlich die
rechte
- besitzt einen Bund, bis zu dessen Anliegen am
Tretlagergehäuse
die Schale fest eingeschraubt wird. Durch die umlaufende Kraft beim
Treten wirkt ständig ein nach links gerichtetes Drehmoment,
das
ein Lösen der Lagerschale mit Linksgewinde verhindert. Bei
Tretlagern mit einem Rechtsgewinde auf der rechten Seite besteht zwar
ein größeres Risiko, dass die Lagerschale sich
lockert,
erfahrungsgemäß passiert dies jedoch nicht.
Zusätzliche
Sicherheit bietet Schraubensicherungslack.
Durch diese Technik bleibt bei richtiger Einstellung das Lagerspiel
stabil. Durch schlechte Einstellung, Schmierungsmangel, Korrosion,
schadhafte Kugeln oder gebrochene Lagerkäfige kann das
Reibungsmoment im Tretlager so stark anwachsen, das es zum
dominierenden Drehmoment an den Lagerschalen wird: Nun lösen
sich
die eingeschraubten Lagerschalen in Drehrichtung der Tretkurbeln. Meist
lockert sich die linke Lagerschale. In diesem Falle ist eine
gründliche Wartung des Lagers, mindestens eine Erneuerung des
Lagerfetts, oft ein Wechsel der Kugeln, einzelner Lagerschalen oder der
Tretlagerwelle notwendig."
Hier die schematische
Darstellung der Kräfteverhältnisse:


Kettenlinie bestimmen
08.12.2004